Die direkte Methode

In der EN ISO 10211 sind zwei Verfahren für die Berechnung des Leitwerts der Gebäudehülle zugelassen:

  1. das indirekte Verfahren und
  2. das direkte Verfahren.

Das indirekte Verfahren beruht auf der Bildung von Teilleitwerten mittels Multiplikation von U-Werten und zugehörigen Flächen und nachträglicher Korrektur des unrichtigen Ergebnisses mit Leitwertzuschlägen. Die Leitwertzuschläge ergeben sich hierbei mittels Multiplikation von Korrekturfaktoren ("psi-Werten") und zugehörigen Längen. Das indirekte Verfahren ist eine reine Rechenvorschrift, die mit mehreren Nachteilen behaftet ist. Zum einen ist das Verfahren mehrdeutig; zum anderen ist es auf 2-Raum-Fälle (es gibt nur "innen" und "außen")  beschränkt und berücksichtigt die Wärmespeicherfähigkeit nicht (rein stationäres Verfahren). Aus diesen Gründen ist das (fast ausschließlich verwendete) indirekte Verfahren für die Berechnung der Wärmeverluste über erdbodenberührte Bauteile ungeeignet.

Das direkte Verfahren beruht auf der Berechnung von Teilleitwerten mittels ein-, zwei- oder dreidimensionaler Rechnung und dem Aufsummieren der Teilleitwerte zum Gesamtleitwert. Die Summation von Teilleitwerten zu einem Gesamtleitwert entspricht dem Ansatz einer thermischen Parallelschaltung und führt dann zum richtigen Ergebnis, wenn das fiktive Zerschneiden der Gebäudehülle in Bereichen erfolgt, bei denen das Vorliegen eindimensionalen Wärmestroms angenommen werden kann. Das direkte Verfahren ist physikalisch begründet, auf eine beliebige Anzahl von Räumen anwendbar und überdies auf die instationäre Rechnung verallgemeinerbar. Es ist somit für die Berechnung der Wärmeverluste über erdbodenberührte Bauteile bestens geeignet.